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Mittwoch, 22. September 2010

Die Haare ab und ein Interview fürs bolivianische Radio.


Irgendwo zwischen Santa Cruz und Sucre.


Hallihallo meine Lieben.
Die erste Woche in Sucre ist vorbei, da wird es Zeit mal wieder was von mir hören zu lassen, denn es gibt einiges zu berichten. Aber von vorne. Die Fahrt von Santa Cruz nach Sucre war trotz einer beachtlichen Dauer von sechzehn Stunden und etwa 200 km nicht asphaltierter Wegstrecke angenehm, denn der Bus mit dem wir unterwegs waren war wirklich supergemütlich. Von so viel Beinfreiheit und einer wirklich geschickten Konstruktion aus einem herunterklappbaren „Bügelbrett“ um möglichst bequem liegen zu können lässt sich in europäischen Reisebussen wirklich nur träumen und als die Nacht vorbei war sorgte die beeindruckende Berglandschaft für Ablenkung. Auf dem Weg durch die scheinbar endlosen Serpentinen lagen viele kleine Dörfer. In einem Dorf in dem wir unterwegs Halt machten sah man klar die Armut den Grad der Unterentwicklung von Teilen des Landes. Die Wasserspülung in den Toiletten wurde durch einen kleinen Jungen ersetzt, der mit einem kleinen Eimer eifrig Wasser in die Toiletten kippte und ein kleines Mädchen verkaufte den Rauchern in unserer Gruppe Zigaretten, während sie nebenbei ihre Hausaufgaben erledigte. Ein Leben wie es diese Leute führen, in Abgeschiedenheit und unter einfachsten Bedingungen ist für uns alle wahrscheinlich unvorstellbar. Allerdings erkennt man auf dieser Strecke auch sehr gut den Wandel in dem sich Bolivien befindet. Überall auf der Strecke werden Brücken und neue Straßen gebaut und in jedem noch so abgelegenen Dorf steht auf Initiative der Regierung ein Handymast.
Das Hostel hier in Sucre ist wirklich wunderschön. Untergebracht sind wir im separaten Freiwilligenhaus hinten, im kleinen Garten des Hostels, einschließlich eigener Küche, Fernseher und DVD-Player. Gegessen wird in einem großen weiß gefliesten Saal mit langer Tafel und vielen Gemälden an der Wand, ein wirklich beeindruckender Raum, den man hier so nicht unbedingt erwartet hätte. Generell ist das ganze Hostel im Kolonialstil gehalten und einfach ein sehr schönes Gebäude, hier lässt es sich also gut leben. Das Hostel fällt übrigens alleine schon dadurch auf, dass es komplett verputzt ist im Gegensatz zu den meisten Häuser in der Stadt, denn auf nicht verputzte Häuser müssen hier keine Steuern gezahlt werden, was dem Stadtbild nicht gerade dienlich ist. Die Stadt selbst offenbart erst nach einigen Tagen ihren Charme der aus chaotischem Verkehr, vielen kleinen Märkten und jeder Menge Händler, die ihren Waren aus kleinen Karren verkaufen, oder einfach am Straßenrand sitzen besteht. Dieses Chaos muss aber doch einer Art von System unterliegen, denn Unfälle passieren hier so gut wie nie, auch wenn die übliche Vorfahrtregel lautet „Wer zuerst hupt fährt zuerst“ und auch die Leute die vor einem Berg aus Zwiebeln, Äpfeln oder Kartoffeln am Straßenrand sitzen scheinen davon leben zu können, auch wenn sich nur höchst selten beobachten lässt, dass tatsächlich jemand etwas kauft.
Die Woche hatte eindeutig zwei Highlights. Nummer eins war das gemeinschaftliche Haareschneiden mit ein paar Kollegen. War ja klar, dass die neue Frisur was mit Gruppenzwang zu tun haben musste, aber man will sich ja integrieren ;). Ich muss aber zugeben, dass ich positiv überrascht bin und meine Befürchtung wie zwölf auszusehen, hat sich nicht bestätigt, was vielleicht auch daran liegt, dass ich mittlerweile wahrscheinlich mehr Haare im Gesicht als auf dem Kopf habe. Aber keine Sorge, die Entscheidung die Haare wieder wachsen zu lassen stand schon vor dem Friseurbesuch fest.
Der zweite Höhepunkt der Woche war das Fußballspiel zwischen Universitario Sucre und La Paz. Mit zwanzig Mann waren wir eindeutig die lautstärkste Gruppierung auf Seiten der Sucre-Fans und das obwohl wir es mit einer Blaskappelle und einigen Trommeln aufnehmen mussten. Von Fangesängen, Flüchen und Beschimpfungen scheinen sie hier allerdings noch nicht allzu viel gehört zu haben und wir ernteten einige erstaunte Blicke von umliegenden Zuschauern und auch die Fernsehkameras waren nicht selten auf uns gerichtet. In der Halbzeit wurden wir somit auch prompt vom bolivianischen Radio interviewt und gegen Ende des Spiels ließen sich tatsächlich einige Bolivianer dazu hinreißen in die Hände zu klatschen. Nach dem Spiel waren wir definitiv so etwas wie lokale Berühmtheiten und bekamen so einige Schulterklopfer und positive Zurufe auf dem Weg nach Hause, aber wir „Chicos grandes“ oder „Gringos“ fallen hier sowieso immer auf. Nächste Woche steht eine Begegnung der südamerikanischen Champions-League gegen ein brasilianisches Team an, dann wird der Aufbau der örtlichen Ultras-Szene mit Sicherheit vorangetrieben.
Ansonsten verbrachten wir die Woche mit einem kleinen Startseminar zu Land und Leuten, den verschiedenen Dörfern und der politischen Situation Boliviens um möglichst genau darüber informiert zu sein, was in den verschiedenen Projekten auf uns wartet. Heute hatte ich dann endlich meine erste Spanisch-Stunde. Ab jetzt heißt es jeden Tag zweieinhalb Stunden Unterricht und nach Informationen anderer Freiwilliger drei bis fünf Stunden Hausaufgaben pro Tag. Aber nachdem der Behördenmarathon wegen des Visums nun endlich beendet ist haben wir genügend Zeit dazu und dann ist es in drei Wochen hoffentlich mit der schrecklichen Situation sich auf der Straße nur notdürftig verständigen zu können vorbei.
Wer sich bis hierhin durchgelesen hat erfährt jetzt auch noch, dass das Wetter hier wirklich sehr schön ist und es von Tag zu Tag heißer zu werden scheint, aber es geht ja auch auf den Sommer zu. Die Nächte sind gar nicht so kalt wie erwartet, auch wenn sich die Sonne hier bereits zwischen sechs und halb sieben verabschiedet ein gewisses Urlaubsfeeling lässt sich unter diesen Bedingungen nicht vermeiden.
Mehr gibt es momentan nicht zu berichten, ich werde euch aber natürlich auf dem Laufenden halten was sich hier so tut und wohin es mich nach den nächsten drei Wochen verschlagen wird. Bis dahin lasst es euch gut gehen. Ich vermisse euch, euer
Untch


Sucre von oben.

Dienstag, 14. September 2010

Endlich da.

Nach einem relativ kurzen Flug nach Sao Paulo, meinem gesunden Schlaf sein Dank und gar nicht so langen zehn Stunden auf dem Flughafen in Sao Paulo bin ich schließlich und endlich in Santa Cruz, Bolivien angekommen. Wir wurden direkt am Flughafen empfangen und von dort ging es direkt in ein super Restaurant, wo es mehr leckere Sachen zu essen gab als wir aller verdrücken konnten. Dann wurde noch schnell die Mama um zwei Uhr nachts aus dem Schlaf geholt um sich kurz zu melden und nun sind wir endlich im Hostel angekommen. Die Leute von der Organisation sind alle total nett, hilfsbereit und bei allen Problemen ansprechbar. Das Hostel ist wirklich der Hammer. Billard, Kicker, Pool und gratis W-Lan, noch hat man hier nicht das Gefühl in einem Entwicklungsland zu sein. Das ging uns bei der Fahrt durch die Stadt schon ganz anders. Der Verkehr fließt kreuz und quer, wer zuerst hupt fährt zuerst und mal legt ein streunender Hund einen halben Kreisverkehr lahm, wenn er es mal nicht so eilig damit hat über die Straße zu kommen. Soweit die ersten Eindrücke aus Bolivien und Santa Cruz. Morgen Abend geht es schon weiter in die Hauptstadt Sucre. Die Busfahrt dauert zum Glück nur schlappe vierzehn Stunden. Dort erwartet uns dann ein weiteres Seminar zur aktuellen politischen Lage und anderen Dinge die in den nächsten Monaten auf uns zukommen werden und anschließend geht es für einige, einschließlich mir in den Spanischkurs, bevor die eigentliche Projektarbeit in den Einsatzorten beginnen kann. Aber genaueres über das Seminar und den Kurs werde ich in den nächsten Tagen aus Sucre selbst berichten.
Macht’s gut und feiert ordentlich Kerb. Viele Grüße.
Euer Untch

Montag, 13. September 2010

Es geht los!

So meine Lieben,

die Lage wird Ernst. Zehn Tage Vorbereitungsseminar in Frankfurt sind vorbei. Zehn sehr lustige Tage voller Stuhlkreise und pädagogischer Spiele, aber auch mit interessanten Infos über Bolivien, die Menschen, die Mentalität und die zugehörige (Trink-)Kultur. All das hat die Vorfreude ungemein gesteigert, genau wie die Tatsache, dass die gesamte Seminargruppe wirklich ein lustiger, verrückter Haufen mit Leuten aus aller Herren Bundesländer ist und wir Bolivien zusammen ordentlich aufmischen werden – im positiven Sinne natürlich.

Ansonsten war das Seminar geprägt von der nahen Lage der Jugendherberge zu Sachsenhausen, das ist ja klar und jeder Menge lustiger Spiele mit Namen wie Conga, Lamametzger oder Würstchenjagd.

Innerhalb von zwei Stunden mit wildfremden Leuten 17 verschiedene Dinge zu tauschen ist definitiv eine lustige Erfahrung und zudem auch sehr lustig, wenn man mit ein paar sehr kooperative Gesetzeshütern einen Stein gegen einen Tatortmarker tauscht.

Einen waschechten Bolivianer haben wir auch kennen gelernt. Ein Musiker und Instrumentenbauer der uns verschiedene traditionelle bolivianische Instrumente gezeigt hat und uns angeboten hat in Sucre umsonst Unterricht nehmen zu können. Das hat so einige Fantasien von mir im Poncho und mit Panflöte in meinem Kopf frei gesetzt. Man darf gespannt sein ;)

Auch das letzte Wochenende in der Heimat war einfach der Hammer. Vielen Dank an alle Gäste für diese grandiose Abschiedsparty, einschließlich eigens komponierten Lieds. Das werde ich so schnell nicht vergessen, das ist sicher. Ich freue mich auf die Zeit die mir bevorsteht, aber genauso freue ich mich jetzt schon darauf euch alle in ein paar Monaten wiederzusehen. Meinen nächsten Eintrag gibt es dann bereits aus Bolivien mit den ersten Eindrücken von Land und Leuten. Bis dahin.

Euer Untch