Heute widme ich mich den Dingen die den Alltag hier auf der Insel prägen. Auf der Insel gibt es drei Ortschaften. Yumani, Challa Pampa und Challa. Ich wohne in Challa, welches definitiv der ruhigste und am wenigsten touristischste und somit meiner Meinung nach auch der schönste Ort ist. Nach Yumani und Challa Pampa fahren täglich Fähren, wohingegen die Fähre hierher nur dreimal die Woche (mittwochs, samstags, sonntags) kommt. Ja liebe Muttis, da kann man die Kinder nicht so schnell mal zum Einkaufen schicken, denn außer zwei kleinen Läden wo es einige Süßigkeiten und wenige Lebensmittel zu kaufen gibt besorgen sich die Leute alles vom Festland. Die Fahrt nach Copacabana dauert zwischen anderthalb und zwei Stunden und kostet für Inselbewohner und Freiwillige fünf Bolivianos (50 Cent).
Die Insel ist sehr bergig. Auf den Bergen befinden sich lauter kleine Terrassen, wo die Leute ihre Felder haben und letzte Woche die Aussaat beendet haben. Es gibt hier mehr Tiere als Menschen und ständig begegnet man Eseln, Schafen, Schweinen und Kühen die irgendwo grasen oder gerade am Strand ihren Durst stillen, was unseren Hund Highlander mehrmals am Tag zu Sprints quer über den Strand veranlasst um die entsprechenden Tiere anzubellen und um besten Falle auch zu vertreiben. Die Menschen leben hier unter sehr einfachen Bedingungen, allerdings finde ich, dass die Insel im Gegensatz zu anderen Dörfern keineswegs trostlos wirkt. Die Behausungen wirken zwar ein wenig arm und stehen oft in sehr unwegsamen Gelände ohne Strom- und Wasseranschluss, doch die Menschen sind stets sehr freundlich, freuen sich wenn man sie grüßt und wirken überraschenderweise offener und weniger zurückgezogen als viele Indigene in Sucre. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie an Touristen schon länger gewöhnt sind. Im Gegensatz zu Sucre und anderen Dörfern sieht man hier auch niemals jemanden einfach rumhängen oder gar besoffen einfach in einer Ecke liegen. Die Inselbewohner sind immer beschäftigt mit den kleinen Dingen des Alltags, denn hier braucht alles etwas mehr Zeit. Ohne Autos und oftmals ohne richtige Wege dienen vor allem Esel als Transportmittel Nummer eins.
Auch hier im Hostel ist man mit den kleinen Dingen beschäftigt. In der sehr kleinen Küche dauert das Kochen immer sehr lange und wenn eine Mahlzeit verputzt ist dauert es nicht lange bis man anfangen kann die nächste vorzubereiten. Unser Hostelvater Nelson ist immer am arbeiten und steckt voller Ideen was er mit dem Hostel noch alles anzustellen gedenkt. Ich weiß irgendwie gar nicht so richtig, warum er mich ein wenig an meinen lieben Papa erinnert ;). Nelson ist 27 Jahre alt, stammt von der Insel, hat allerdings in La Paz studiert und einige Jahre in Argentinien gelebt, wirkt daher sehr weltoffen und ist gebildeter als der durchschnittliche Bolivianer. Seine Verlobte Sol (21) stammt aus einem anderen Teil Boliviens und ist meistens mit Kochen und ihrer kleinen Tochter Cielo (sieben Monate) beschäftigt. Die drei bilden eine sehr sympathische und moderne Familie und werden wahrscheinlich noch lange Freiwillige beherbergen und das Hostel um einiges vergrößern.
Diese Woche haben wir Nelson jeden Nachmittag geholfen, denn wir wollen auf dem Schulgelände einen großen Mülleimer bauen. Anschließend sollen die Kinder in der Schule eine Art Müllerziehung erhalten, denn auch wenn die Insel nicht so schmutzig ist wie ich es befürchtete merkt man doch auch hier, dass das Bewusstsein für die schädigende Wirkung des Abfalls gänzlich fehlt. Nach zwei Stunden Steine sammeln und Sand schleppen ist man auf dieser Höhe dann wirklich platt. Dann heißt es kochen, abspülen, ein paar Runden Karten spielen, vorzugsweise Yanif, ein israelisches Kartenspiel, und dann so gegen Neun Uhr ins Bett.
Der Titicacasee ist übrigens richtig kalt, allerdings eine willkommene Abwechslung wenn es im Hostel mal wieder kein Wasser gibt und Duschen somit nicht möglich ist. Auch ein kleines Nachtbad haben wie bereits hinter uns. Danach schläft es sich wirklich nicht schlecht.
Eine kleine Kuriosität gab es am Donnerstag zu erleben. Momentan werden hier die Abschlussprüfungen des Schuljahres geschrieben, da es demnächst Sommerferien geben wird. Zu viert führten wir Aufsicht bei der Englischabschlussprüfung der obersten Klasse, also vergleichbar mit unserer Abiturprüfung. Erinnern wir uns also zurück an unsere Abiturprüfung: Wochenlange Aufregung von Schülern, Eltern und Lehrern. Der Musikpavillon ausschließlich für Prüfungen reserviert, der halbe Schulhof abgesperrt, Prüfungsdauer mehrere Stunden, Interpretationen, Stilmittel und so weiter.
Abiturprüfung in Bolivien: Kein Mensch lernt, die Schüler schreiben ihre Prüfung verteilt über die Wiese auf dem Schulhof, während andere Schüler laut über den Schulhof rennen und Sportunterricht gegeben wird. Die Prüfung dauert eine Stunde und besteht aus der Abfrage von Wochen- und Monatstagen, der Uhrzeit, Farben, drei verschiedenen Verben und einem kleinen Text. Teilweise sind die Unterschiede hier noch so gravierend und ich bin wirklich gespannt wie diese Abschlussprüfung in einigen Jahren aussehen wird, wenn die Klassen an der Reihe sein werden die von Anfang an von Freiwilligen unterrichtet wurden, denn nur wenn sich dort etwas ändert lässt sich sagen, dass die Arbeit hier sinnvoll und nachhaltig ist.. Das Ziel sollte wohl sein, dass bolivianische Lehrer irgendwann nicht mehr die Freiwilligen fragen müssen ob die deutsche Regierung rassistisch, sozialistisch oder demokratisch ist, und dass es in Bolivien mehr bedarf als des bloßen Besitzes eines Englischbuches um sich Englischlehrerin nennen zu können.
Bis nächste Woche aus La Paz. Vermisse euch und denke an euch.
Euer untch
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Samstag, 20. November 2010
Samstag, 13. November 2010
Endlich Arbeit
Noch nicht mal eine Woche auf der Insel und schon gibt es wieder etwas von mir zu hören, aber wenn man schon mal einen Internetfähigen Computer vor sich hat muss das natürlich ausgenutzt werden.
Letzten Sonntag ging es also in aller Frühe los von La Paz mit dem absoluten Touristenbus nach Copacabana. Neben mir hatte ich einen netten, verkaterten Engländer sitzen, dessen Alkoholfahne mich zwang ständig nach rechts aus dem Fenster zu sehen, aber es gab ja genug zu sehen. Sobald der Titicacasee in Sicht war vermutete ich hinter jeder noch so kleinen Insel meine Heimat für die nächsten Wochen, allerdings mussten wir zunächst mitsamt Bus mit einem Motorboot übersetzen um einige Kilometer zu sparen bevor wir schließlich in Copacabana ankamen. Hier sollte ich nach Nelson, dem Hostelvater und meinem momentanen Chef Ausschau halten. Die Beschreibung die ich bekommen hatte: Etwa 1,70m groß, dunkle Haut, jung trifft glücklicherweise nur etwa auf jeden zweiten Bolivianer zu, aber nach einem Telefonat und ein wenig Warten hatte ich Nelson, seine Verlobte Sol und ihre kleine Tochter Cielo schließlich gefunden. Dann ging es mit dem Boot über den See auf die Insel. Schon auf dem Boot lernte ich den Direktor der Schule und einige andere Lehrer kennen und verbrannte mir zudem ordentlich die Nase. Kaum angekommen galt es dann auch schon kräftig mit anzupacken und die Vorräte vom Boot zu laden, welche die Inselbewohner in Copacabana gekauft hatten. Keine leichte Aufgabe auf knapp 4000 m. Nachdem ich mein Einzelzimmer mit eigenem Bad (Luxus!!!) bezogen hatte gab es Abendessen, dann ging die Sonne unter und kurz danach lagen wir auch schon in unseren Betten. Wir, das sind Jonas und Benny, ebenfalls Zivilersatzdienstleistende, außerdem Martin und Miriam die am Weltwärts-Programm teilnehmen und somit das gesamte Jahr auf der Insel verbringen werden. Am nächsten Tag ging ich mit den anderen in die Schule um endlich meinen ersten Arbeitstag anzutreten. Hier stand erstmal der „Salud de la Semana“ auf dem Programm. Das heißt, Flagge hissen, National- und Schulhymne singen und noch ein paar weisen Worten eines Lehrers lauschen. Danach gab es so etwas wie einen Ältestenrat bei dem ich mich zunächst vorstellen musste. Nelson begleitete mich und so saßen wir geschlagene dreieinhalb Stunden in der prallen Sonne (diesmal mit Kappe), tranken Cola, kauten Coca und ich verstand kein Wort weil Lehrer, Bürgermeister und sonstige Dorfälteste die ganze Zeit auf Aymara, der Sprache der hiesigen Indigenen geredet haben. Nur als das Wort „Voluntario“ fiel wachte ich kurz auf, stellte mich vor und wurde herzlich willkommen geheißen. Damit war der erste Schultag auch schon vorbei. Die restliche Woche habe ich Jonas und Benny in ihren Sport-, Mathe- und Englischklassen unterstützt und habe von Benny auch eine eigene Englischklasse übernommen. Besonders die kleinen Kinder sind zwar ziemlich anstrengend, aber die Arbeit macht Spaß und es ist ein gutes Gefühl endlich zu tun weswegen ich hergekommen bin.
Dienstag gab es allerdings schon wieder eine Ausnahme vom normalen Schulalltag, denn einige hohe Beamte und einige Vertreter des Militärs wurden erwartet um jedem Schüler der Grundschule 200 Bolivianos (etwa 20 €) zu übergeben. Dies ist eine Maßnahme der Regierung die vor allem dazu gedacht ist den Kindern zu ermöglichen möglichst lange zur Schule zu gehen. Die Summe klingt natürlich zunächst lächerlich, 200 Bolivianos sind allerdings besonders hier auf der Insel eine Menge Geld. Die Beamten kamen für bolivianische Verhältnisse pünktlich und dann hieß es ein zweites Mal Fahne hissen, Nationalhymne singen, etc. Nur das Militär ließ ein wenig auf sich warten und traf erst am Nachmittag ein. So lange mussten die Schüler warten. Als wir abends noch einmal in der Schule vorbeischauten waren keine Schüler mehr da, nur noch Lehrer, Beamte und Militärs. Unerwartet wurde es noch ein feucht-fröhlicher Abend und am nächsten Morgen waren die meisten Lehrer wie erwartet nicht in der Lage pünktlich zu ihrem Unterricht anzutreten. Dass Bolivianer Alkohol nicht allzu gut vertragen ist Fakt. Deshalb wurde vom einzigen fitten Lehrer ein weiterer „Salud de la Semana“ abgehalten um für seine Kollegen ein wenig Zeit zu schinden.
Am nächsten Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass das Marineboot in der benachbarten Bucht gesunken sei. Hierbei kam uns die Szene in Erinnerung wie das Boot vor unserem Steg auf Bennys und Jonas „Pool“ aufgesetzt ist, den sie aus Steinen dort gebaut haben um wenigstens einen Teil des Sees auf eine angenehme Temperatur bringen zu können. Unsere Überlegungen Verteidigungsminister Guttenberg über unsere geglückte Mission die halbe bolivianische Flotte zu zerstören zu informieren verwarfen wir dann allerdings doch wieder. Wie sich am nächsten Tag herausstellte war das Boot nicht gesunken, hatte aber ein ordentliches Loch und Wasser im Maschinenraum und die älteren Schüler mussten antreten um das Boot ins Wasser zu schieben. Daraus wurde dann allerdings doch nichts und Schüler und Lehrer marschierten unverrichteter Dinge zurück in die Schule.
Freitag fand gar kein Unterricht statt, da die Lehrerschaft sich bereits Donnerstagmittag auf den Weg nach La Paz machte, da die meisten mit ihren Familien dort wohnen und lediglich zum Arbeiten auf die Isla kommen. Dass die Lehrer dann mal ein verlängertes Wochenende einlegen ist hier anscheinend keine Ausnahme. Aber so konnten wir gestern wenigstens ausschlafen. Das heißt man kann noch ein wenig liegen bleiben wenn das Zimmer ab sieben Uhr so hell ist, dass an Schlafen nicht mehr zu denken ist. Den Rest des Tages haben wir dazu genutzt einen Ausflug zu den alten Inka-Ruinen im Norden der Insel zu machen, wobei ich mir die Ohren verbrannt habe, darüber berichte ich aber nächste Woche.
Macht’s gut. Viele Grüße.
Euer untch
Letzten Sonntag ging es also in aller Frühe los von La Paz mit dem absoluten Touristenbus nach Copacabana. Neben mir hatte ich einen netten, verkaterten Engländer sitzen, dessen Alkoholfahne mich zwang ständig nach rechts aus dem Fenster zu sehen, aber es gab ja genug zu sehen. Sobald der Titicacasee in Sicht war vermutete ich hinter jeder noch so kleinen Insel meine Heimat für die nächsten Wochen, allerdings mussten wir zunächst mitsamt Bus mit einem Motorboot übersetzen um einige Kilometer zu sparen bevor wir schließlich in Copacabana ankamen. Hier sollte ich nach Nelson, dem Hostelvater und meinem momentanen Chef Ausschau halten. Die Beschreibung die ich bekommen hatte: Etwa 1,70m groß, dunkle Haut, jung trifft glücklicherweise nur etwa auf jeden zweiten Bolivianer zu, aber nach einem Telefonat und ein wenig Warten hatte ich Nelson, seine Verlobte Sol und ihre kleine Tochter Cielo schließlich gefunden. Dann ging es mit dem Boot über den See auf die Insel. Schon auf dem Boot lernte ich den Direktor der Schule und einige andere Lehrer kennen und verbrannte mir zudem ordentlich die Nase. Kaum angekommen galt es dann auch schon kräftig mit anzupacken und die Vorräte vom Boot zu laden, welche die Inselbewohner in Copacabana gekauft hatten. Keine leichte Aufgabe auf knapp 4000 m. Nachdem ich mein Einzelzimmer mit eigenem Bad (Luxus!!!) bezogen hatte gab es Abendessen, dann ging die Sonne unter und kurz danach lagen wir auch schon in unseren Betten. Wir, das sind Jonas und Benny, ebenfalls Zivilersatzdienstleistende, außerdem Martin und Miriam die am Weltwärts-Programm teilnehmen und somit das gesamte Jahr auf der Insel verbringen werden. Am nächsten Tag ging ich mit den anderen in die Schule um endlich meinen ersten Arbeitstag anzutreten. Hier stand erstmal der „Salud de la Semana“ auf dem Programm. Das heißt, Flagge hissen, National- und Schulhymne singen und noch ein paar weisen Worten eines Lehrers lauschen. Danach gab es so etwas wie einen Ältestenrat bei dem ich mich zunächst vorstellen musste. Nelson begleitete mich und so saßen wir geschlagene dreieinhalb Stunden in der prallen Sonne (diesmal mit Kappe), tranken Cola, kauten Coca und ich verstand kein Wort weil Lehrer, Bürgermeister und sonstige Dorfälteste die ganze Zeit auf Aymara, der Sprache der hiesigen Indigenen geredet haben. Nur als das Wort „Voluntario“ fiel wachte ich kurz auf, stellte mich vor und wurde herzlich willkommen geheißen. Damit war der erste Schultag auch schon vorbei. Die restliche Woche habe ich Jonas und Benny in ihren Sport-, Mathe- und Englischklassen unterstützt und habe von Benny auch eine eigene Englischklasse übernommen. Besonders die kleinen Kinder sind zwar ziemlich anstrengend, aber die Arbeit macht Spaß und es ist ein gutes Gefühl endlich zu tun weswegen ich hergekommen bin.
Dienstag gab es allerdings schon wieder eine Ausnahme vom normalen Schulalltag, denn einige hohe Beamte und einige Vertreter des Militärs wurden erwartet um jedem Schüler der Grundschule 200 Bolivianos (etwa 20 €) zu übergeben. Dies ist eine Maßnahme der Regierung die vor allem dazu gedacht ist den Kindern zu ermöglichen möglichst lange zur Schule zu gehen. Die Summe klingt natürlich zunächst lächerlich, 200 Bolivianos sind allerdings besonders hier auf der Insel eine Menge Geld. Die Beamten kamen für bolivianische Verhältnisse pünktlich und dann hieß es ein zweites Mal Fahne hissen, Nationalhymne singen, etc. Nur das Militär ließ ein wenig auf sich warten und traf erst am Nachmittag ein. So lange mussten die Schüler warten. Als wir abends noch einmal in der Schule vorbeischauten waren keine Schüler mehr da, nur noch Lehrer, Beamte und Militärs. Unerwartet wurde es noch ein feucht-fröhlicher Abend und am nächsten Morgen waren die meisten Lehrer wie erwartet nicht in der Lage pünktlich zu ihrem Unterricht anzutreten. Dass Bolivianer Alkohol nicht allzu gut vertragen ist Fakt. Deshalb wurde vom einzigen fitten Lehrer ein weiterer „Salud de la Semana“ abgehalten um für seine Kollegen ein wenig Zeit zu schinden.
Am nächsten Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass das Marineboot in der benachbarten Bucht gesunken sei. Hierbei kam uns die Szene in Erinnerung wie das Boot vor unserem Steg auf Bennys und Jonas „Pool“ aufgesetzt ist, den sie aus Steinen dort gebaut haben um wenigstens einen Teil des Sees auf eine angenehme Temperatur bringen zu können. Unsere Überlegungen Verteidigungsminister Guttenberg über unsere geglückte Mission die halbe bolivianische Flotte zu zerstören zu informieren verwarfen wir dann allerdings doch wieder. Wie sich am nächsten Tag herausstellte war das Boot nicht gesunken, hatte aber ein ordentliches Loch und Wasser im Maschinenraum und die älteren Schüler mussten antreten um das Boot ins Wasser zu schieben. Daraus wurde dann allerdings doch nichts und Schüler und Lehrer marschierten unverrichteter Dinge zurück in die Schule.
Freitag fand gar kein Unterricht statt, da die Lehrerschaft sich bereits Donnerstagmittag auf den Weg nach La Paz machte, da die meisten mit ihren Familien dort wohnen und lediglich zum Arbeiten auf die Isla kommen. Dass die Lehrer dann mal ein verlängertes Wochenende einlegen ist hier anscheinend keine Ausnahme. Aber so konnten wir gestern wenigstens ausschlafen. Das heißt man kann noch ein wenig liegen bleiben wenn das Zimmer ab sieben Uhr so hell ist, dass an Schlafen nicht mehr zu denken ist. Den Rest des Tages haben wir dazu genutzt einen Ausflug zu den alten Inka-Ruinen im Norden der Insel zu machen, wobei ich mir die Ohren verbrannt habe, darüber berichte ich aber nächste Woche.
Macht’s gut. Viele Grüße.
Euer untch
Samstag, 6. November 2010
Reif für die Insel
Letztes Wochenende war in Sucre einiges los. Samstag war den ganzen Nachmittag inklusive Abend eine große Parade der Studenten durch die ganze Stadt. Die verschiedenen Fakultäten hatten verschiedene Kostüme an und haben während der Parade verschiedene Tänze aufgeführt. Eine Gruppe hatte rot-goldene Kostüme mit breiten Ärmeln und aufgeplusterten Schultern. Dazu waren an Armen und Stiefeln Schellen angebracht, was beim gemeinsamen Tanzen einen wirklich schönen Effekt ergeben hat. Die Mitglieder der technischen Fakultät hatten sich, wohl aus Solidarität zu den chilenischen „Kollegen“ als Mineros verkleidet. Halloween geriet dank der Parade etwas in den Hintergrund, lediglich in den Touristen-Bars wurde dieses Fest wirklich gefeiert und in einer war ein Witzbold in SS-Uniform und Kugel im Kopf zu bewundern. Als Deutscher kommt man sich hierbei zunächst etwas komisch vor, bedenkt man aber, dass man hier auch schon mal gefragt wird ob Hitler denn schon tot sei, muss man wohl ab und zu etwas Nachsicht zeigen.
Montag und Dienstag wurde dann Todos los Santos gefeiert, was sozusagen Allerheiligen und Allerseelen in einem ist. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen zu dieser Gelegenheit auch einen Abstecher zum Friedhof zu machen. Dort war sozusagen die gesamte Stadt vertreten. Der Friedhof ist wunderschön. Vorne sind viele Gruften und regelrechte Mausoleen und im hinteren Teil ist der Klassenunterschied dann sehr klar zu erkennen. Dort stehen viele „Wände“ aus Stein mit Nischen in die die Särge geschoben werden. Vor jeder Nische ist dann so eine Art Schaufenster wo Kerzen, Fotos und Ähnliches hineingestellt werden. Zum Anlass des Festes stellen die Angehörigen Sachen hinein die der Tote zu Lebzeiten am liebsten gehabt hat. Dabei trifft man auf alles Mögliche. Bei Kindern vor allem Spielzeug und Süßigkeiten, bei Erwachsenen Blumen aber auch mal eine Bierdose, eine Zigarettenschachtel oder einige Kokablätter. Bei denjenigen die im letzten Jahr verstorben sind, sind sehr viele Angehörige am Grab. Viele Leute, vor allem Kinder gehen über den Friedhof und beten für verschiedene Leute und werden von den Angehörigen dafür mit Brot „belohnt“. Auch wenn die Leute natürlich trauern ist das Fest doch eher fröhlicher Natur, denn das Fest dient dazu den Toten dazu einzuladen noch einmal zu den Angehörigen zu kommen und mit ihnen zusammen zu feiern. Vor dem Friedhof ist es noch fröhlicher. Dort gibt es viele Essensstände und überall entdeckt man Eimer und Pfützen und das kann hier in Bolivien natürlich nur eins heißen: Es gibt Chicha. Zu unserer persönlichen Erheiterung hat noch ein „Artist“ beigetragen der seinen Kopf angezündet hat. Aufgrund des Festes musste ich dann auch noch einige Tage länger auf meine Gitarre warten, habe sie dann aber doch noch rechtzeitig bekommen, wenn auch nur mit vier Saiten und der Hälfte der Inschrift. Dafür gab’s aber Preisnachlass und einen ziemlich betrunkenen Gitarrenbauer. Dass das immer noch die Auswirkungen des Festes waren ist nicht auszuschließen.
Ansonsten hieß es: Aufstehen, Unterricht, Hausaufgaben, Essen, Nacht, schlafen und das ganze wieder von vorne. Als am Freitag dann die vorerst letzte Stunde geschafft war hat mich ein regelrechtes Feriengefühl gepackt, und das obwohl ich jetzt anfangen soll zu arbeiten. Was das mit dem Spanischkurs jetzt genau auf sich hat erkläre ich noch mal kurz, da es doch einige Nachfragen gegeben hat. Das Zertifikat für das ich die Prüfung ablegen werde heißt DELE. Die Vorbereitung besteht aus sieben Wochen Einzelunterricht und einer Woche mit der gesamten Gruppe. Ich hatte jetzt vier der sieben Woche und werde die restlichen drei im April/Mai haben. Im Mai ist dann noch eine Woche mit der gesamten Gruppe und Mitte Mai ist dann letztendlich die Prüfung und zwischendrin werde ich von Monica, meiner Lehrerin natürlich reichlich mit Hausaufgaben versorgt. Da einen das DELE-Zertifikat dazu berechtigt in Spanisch-sprachigen Ländern zu studieren ist das natürlich alles nötig und erklärt auch warum noch so viel Zeit bis zur Prüfung bleibt. Nach den vier Wochen Unterricht bin ich aber definitiv reif für die Insel und war dementsprechend froh als es gestern endlich los ging. Die Busfahrt dauerte schlappe zwölf Stunden und war trotz sich breitmachendem Bolivianer nebenan, einer gesamten Mädchen-Schulklasse und Gitarre auf dem Schoß doch relativ angenehm, da ich es irgendwie geschafft habe den größten Teil zu schlafen. Nachdem ich meinen Koffer in den ersten Stock getragen hatte musste ich mich erst mal aufs Bett setzen um durchzuatmen, denn die Luft ist auf 4000 m doch merklich dünner. Eigentlich sollte ich mich hier mit den Damen aus dem Büro von Hostelling International treffen, habe aber lediglich einen Brief mit meinem Busticket und einigen Erklärungen bekommen. Morgen früh um 7.30 geht es dann noch einmal vier Stunden mit dem Bus nach Copacabana und von dort mit dem Schiff auf meine kleine Insel.
Heute hatte ich einen freien Tag den ich dazu genutzt habe den Sieg der Eintracht zu feiern und die Stadt zu erkunden. Ich konnte mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und habe mir ein Mittagessen bei Burger King gegönnt. Mc Donalds gibt es in Bolivien nicht, da sie vor ein paar Jahren sozusagen rausgeschmissen wurden, weil sie sich geweigert haben bolivianisches Fleisch zu verwenden. Dann bin ich losmarschiert zu einem sehr schönen Aussichtspunkt, der laut Stadtplan mitten in einem Park liegen sollte. Der Park bestand allerdings mehr oder weniger aus dem schönen, aber steilen Weg zu der Aussichtsplattform. Von dort hat man wirklich einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Diese liegt regelrecht in einem Kessel aus schroffen, kahlen Bergen. Betrachtet man die Berge allerdings genauer, erkennt man, dass sie voll von kleinen roten, unverputzten Häusern sind die so dicht beieinander stehen, dass man die Berge selbst nur noch erahnen kann. Durch die beeindruckenden Hochhäuser des Stadtkerns nimmt man diese kleinen Häuser im Hintergrund zunächst allerdings überhaupt nicht wahr. Es ist wirklich beeindruckend was die Menschen in dieser unwirtlichen Gegend für eine Stadt gebaut haben. Desweiteren kann man die scheinbar unendlich wirkenden Bergketten der Anden erahnen. Das und der schneebedeckte, wolkenverhangene Berggipfel machten mir mal wieder bewusst wie anders dieses Land ist. Nachdem ich mich noch ein wenig verlaufen hatte kam ich dann völlig fertig und todmüde wieder im kleinen, aber feinen Hostel an. Jetzt genieße ich noch ein paar Stunden den vorhandenen Internetzugang und freue mich, dass es morgen früh endlich losgeht. Mit Handyempfang und Internetzugang sieht es die nächsten Wochen also nicht allzu gut aus, aber ab und zu wird man schon mal etwas von mir hören, und kurz vor Weihnachten werde ich sowieso wieder nach Sucre fahren wo wir Freiwilligen zusammen feiern werden und wo ich auf meinen wunderbaren Besuch aus Deutschland warten werde. Dann geht’s los auf eine kleine Rundreise durch Bolivien und ich kann nur sagen: Mein Schatz, ich freue mich darauf.
Bis bald meine Lieben.
Euer untch
Montag und Dienstag wurde dann Todos los Santos gefeiert, was sozusagen Allerheiligen und Allerseelen in einem ist. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen zu dieser Gelegenheit auch einen Abstecher zum Friedhof zu machen. Dort war sozusagen die gesamte Stadt vertreten. Der Friedhof ist wunderschön. Vorne sind viele Gruften und regelrechte Mausoleen und im hinteren Teil ist der Klassenunterschied dann sehr klar zu erkennen. Dort stehen viele „Wände“ aus Stein mit Nischen in die die Särge geschoben werden. Vor jeder Nische ist dann so eine Art Schaufenster wo Kerzen, Fotos und Ähnliches hineingestellt werden. Zum Anlass des Festes stellen die Angehörigen Sachen hinein die der Tote zu Lebzeiten am liebsten gehabt hat. Dabei trifft man auf alles Mögliche. Bei Kindern vor allem Spielzeug und Süßigkeiten, bei Erwachsenen Blumen aber auch mal eine Bierdose, eine Zigarettenschachtel oder einige Kokablätter. Bei denjenigen die im letzten Jahr verstorben sind, sind sehr viele Angehörige am Grab. Viele Leute, vor allem Kinder gehen über den Friedhof und beten für verschiedene Leute und werden von den Angehörigen dafür mit Brot „belohnt“. Auch wenn die Leute natürlich trauern ist das Fest doch eher fröhlicher Natur, denn das Fest dient dazu den Toten dazu einzuladen noch einmal zu den Angehörigen zu kommen und mit ihnen zusammen zu feiern. Vor dem Friedhof ist es noch fröhlicher. Dort gibt es viele Essensstände und überall entdeckt man Eimer und Pfützen und das kann hier in Bolivien natürlich nur eins heißen: Es gibt Chicha. Zu unserer persönlichen Erheiterung hat noch ein „Artist“ beigetragen der seinen Kopf angezündet hat. Aufgrund des Festes musste ich dann auch noch einige Tage länger auf meine Gitarre warten, habe sie dann aber doch noch rechtzeitig bekommen, wenn auch nur mit vier Saiten und der Hälfte der Inschrift. Dafür gab’s aber Preisnachlass und einen ziemlich betrunkenen Gitarrenbauer. Dass das immer noch die Auswirkungen des Festes waren ist nicht auszuschließen.
Ansonsten hieß es: Aufstehen, Unterricht, Hausaufgaben, Essen, Nacht, schlafen und das ganze wieder von vorne. Als am Freitag dann die vorerst letzte Stunde geschafft war hat mich ein regelrechtes Feriengefühl gepackt, und das obwohl ich jetzt anfangen soll zu arbeiten. Was das mit dem Spanischkurs jetzt genau auf sich hat erkläre ich noch mal kurz, da es doch einige Nachfragen gegeben hat. Das Zertifikat für das ich die Prüfung ablegen werde heißt DELE. Die Vorbereitung besteht aus sieben Wochen Einzelunterricht und einer Woche mit der gesamten Gruppe. Ich hatte jetzt vier der sieben Woche und werde die restlichen drei im April/Mai haben. Im Mai ist dann noch eine Woche mit der gesamten Gruppe und Mitte Mai ist dann letztendlich die Prüfung und zwischendrin werde ich von Monica, meiner Lehrerin natürlich reichlich mit Hausaufgaben versorgt. Da einen das DELE-Zertifikat dazu berechtigt in Spanisch-sprachigen Ländern zu studieren ist das natürlich alles nötig und erklärt auch warum noch so viel Zeit bis zur Prüfung bleibt. Nach den vier Wochen Unterricht bin ich aber definitiv reif für die Insel und war dementsprechend froh als es gestern endlich los ging. Die Busfahrt dauerte schlappe zwölf Stunden und war trotz sich breitmachendem Bolivianer nebenan, einer gesamten Mädchen-Schulklasse und Gitarre auf dem Schoß doch relativ angenehm, da ich es irgendwie geschafft habe den größten Teil zu schlafen. Nachdem ich meinen Koffer in den ersten Stock getragen hatte musste ich mich erst mal aufs Bett setzen um durchzuatmen, denn die Luft ist auf 4000 m doch merklich dünner. Eigentlich sollte ich mich hier mit den Damen aus dem Büro von Hostelling International treffen, habe aber lediglich einen Brief mit meinem Busticket und einigen Erklärungen bekommen. Morgen früh um 7.30 geht es dann noch einmal vier Stunden mit dem Bus nach Copacabana und von dort mit dem Schiff auf meine kleine Insel.
Heute hatte ich einen freien Tag den ich dazu genutzt habe den Sieg der Eintracht zu feiern und die Stadt zu erkunden. Ich konnte mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und habe mir ein Mittagessen bei Burger King gegönnt. Mc Donalds gibt es in Bolivien nicht, da sie vor ein paar Jahren sozusagen rausgeschmissen wurden, weil sie sich geweigert haben bolivianisches Fleisch zu verwenden. Dann bin ich losmarschiert zu einem sehr schönen Aussichtspunkt, der laut Stadtplan mitten in einem Park liegen sollte. Der Park bestand allerdings mehr oder weniger aus dem schönen, aber steilen Weg zu der Aussichtsplattform. Von dort hat man wirklich einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Diese liegt regelrecht in einem Kessel aus schroffen, kahlen Bergen. Betrachtet man die Berge allerdings genauer, erkennt man, dass sie voll von kleinen roten, unverputzten Häusern sind die so dicht beieinander stehen, dass man die Berge selbst nur noch erahnen kann. Durch die beeindruckenden Hochhäuser des Stadtkerns nimmt man diese kleinen Häuser im Hintergrund zunächst allerdings überhaupt nicht wahr. Es ist wirklich beeindruckend was die Menschen in dieser unwirtlichen Gegend für eine Stadt gebaut haben. Desweiteren kann man die scheinbar unendlich wirkenden Bergketten der Anden erahnen. Das und der schneebedeckte, wolkenverhangene Berggipfel machten mir mal wieder bewusst wie anders dieses Land ist. Nachdem ich mich noch ein wenig verlaufen hatte kam ich dann völlig fertig und todmüde wieder im kleinen, aber feinen Hostel an. Jetzt genieße ich noch ein paar Stunden den vorhandenen Internetzugang und freue mich, dass es morgen früh endlich losgeht. Mit Handyempfang und Internetzugang sieht es die nächsten Wochen also nicht allzu gut aus, aber ab und zu wird man schon mal etwas von mir hören, und kurz vor Weihnachten werde ich sowieso wieder nach Sucre fahren wo wir Freiwilligen zusammen feiern werden und wo ich auf meinen wunderbaren Besuch aus Deutschland warten werde. Dann geht’s los auf eine kleine Rundreise durch Bolivien und ich kann nur sagen: Mein Schatz, ich freue mich darauf.
Bis bald meine Lieben.
Euer untch
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