Irgendwo zwischen Santa Cruz und Sucre.
Hallihallo meine Lieben.
Die erste Woche in Sucre ist vorbei, da wird es Zeit mal wieder was von mir hören zu lassen, denn es gibt einiges zu berichten. Aber von vorne. Die Fahrt von Santa Cruz nach Sucre war trotz einer beachtlichen Dauer von sechzehn Stunden und etwa 200 km nicht asphaltierter Wegstrecke angenehm, denn der Bus mit dem wir unterwegs waren war wirklich supergemütlich. Von so viel Beinfreiheit und einer wirklich geschickten Konstruktion aus einem herunterklappbaren „Bügelbrett“ um möglichst bequem liegen zu können lässt sich in europäischen Reisebussen wirklich nur träumen und als die Nacht vorbei war sorgte die beeindruckende Berglandschaft für Ablenkung. Auf dem Weg durch die scheinbar endlosen Serpentinen lagen viele kleine Dörfer. In einem Dorf in dem wir unterwegs Halt machten sah man klar die Armut den Grad der Unterentwicklung von Teilen des Landes. Die Wasserspülung in den Toiletten wurde durch einen kleinen Jungen ersetzt, der mit einem kleinen Eimer eifrig Wasser in die Toiletten kippte und ein kleines Mädchen verkaufte den Rauchern in unserer Gruppe Zigaretten, während sie nebenbei ihre Hausaufgaben erledigte. Ein Leben wie es diese Leute führen, in Abgeschiedenheit und unter einfachsten Bedingungen ist für uns alle wahrscheinlich unvorstellbar. Allerdings erkennt man auf dieser Strecke auch sehr gut den Wandel in dem sich Bolivien befindet. Überall auf der Strecke werden Brücken und neue Straßen gebaut und in jedem noch so abgelegenen Dorf steht auf Initiative der Regierung ein Handymast.
Das Hostel hier in Sucre ist wirklich wunderschön. Untergebracht sind wir im separaten Freiwilligenhaus hinten, im kleinen Garten des Hostels, einschließlich eigener Küche, Fernseher und DVD-Player. Gegessen wird in einem großen weiß gefliesten Saal mit langer Tafel und vielen Gemälden an der Wand, ein wirklich beeindruckender Raum, den man hier so nicht unbedingt erwartet hätte. Generell ist das ganze Hostel im Kolonialstil gehalten und einfach ein sehr schönes Gebäude, hier lässt es sich also gut leben. Das Hostel fällt übrigens alleine schon dadurch auf, dass es komplett verputzt ist im Gegensatz zu den meisten Häuser in der Stadt, denn auf nicht verputzte Häuser müssen hier keine Steuern gezahlt werden, was dem Stadtbild nicht gerade dienlich ist. Die Stadt selbst offenbart erst nach einigen Tagen ihren Charme der aus chaotischem Verkehr, vielen kleinen Märkten und jeder Menge Händler, die ihren Waren aus kleinen Karren verkaufen, oder einfach am Straßenrand sitzen besteht. Dieses Chaos muss aber doch einer Art von System unterliegen, denn Unfälle passieren hier so gut wie nie, auch wenn die übliche Vorfahrtregel lautet „Wer zuerst hupt fährt zuerst“ und auch die Leute die vor einem Berg aus Zwiebeln, Äpfeln oder Kartoffeln am Straßenrand sitzen scheinen davon leben zu können, auch wenn sich nur höchst selten beobachten lässt, dass tatsächlich jemand etwas kauft.
Die Woche hatte eindeutig zwei Highlights. Nummer eins war das gemeinschaftliche Haareschneiden mit ein paar Kollegen. War ja klar, dass die neue Frisur was mit Gruppenzwang zu tun haben musste, aber man will sich ja integrieren ;). Ich muss aber zugeben, dass ich positiv überrascht bin und meine Befürchtung wie zwölf auszusehen, hat sich nicht bestätigt, was vielleicht auch daran liegt, dass ich mittlerweile wahrscheinlich mehr Haare im Gesicht als auf dem Kopf habe. Aber keine Sorge, die Entscheidung die Haare wieder wachsen zu lassen stand schon vor dem Friseurbesuch fest.
Der zweite Höhepunkt der Woche war das Fußballspiel zwischen Universitario Sucre und La Paz. Mit zwanzig Mann waren wir eindeutig die lautstärkste Gruppierung auf Seiten der Sucre-Fans und das obwohl wir es mit einer Blaskappelle und einigen Trommeln aufnehmen mussten. Von Fangesängen, Flüchen und Beschimpfungen scheinen sie hier allerdings noch nicht allzu viel gehört zu haben und wir ernteten einige erstaunte Blicke von umliegenden Zuschauern und auch die Fernsehkameras waren nicht selten auf uns gerichtet. In der Halbzeit wurden wir somit auch prompt vom bolivianischen Radio interviewt und gegen Ende des Spiels ließen sich tatsächlich einige Bolivianer dazu hinreißen in die Hände zu klatschen. Nach dem Spiel waren wir definitiv so etwas wie lokale Berühmtheiten und bekamen so einige Schulterklopfer und positive Zurufe auf dem Weg nach Hause, aber wir „Chicos grandes“ oder „Gringos“ fallen hier sowieso immer auf. Nächste Woche steht eine Begegnung der südamerikanischen Champions-League gegen ein brasilianisches Team an, dann wird der Aufbau der örtlichen Ultras-Szene mit Sicherheit vorangetrieben.
Ansonsten verbrachten wir die Woche mit einem kleinen Startseminar zu Land und Leuten, den verschiedenen Dörfern und der politischen Situation Boliviens um möglichst genau darüber informiert zu sein, was in den verschiedenen Projekten auf uns wartet. Heute hatte ich dann endlich meine erste Spanisch-Stunde. Ab jetzt heißt es jeden Tag zweieinhalb Stunden Unterricht und nach Informationen anderer Freiwilliger drei bis fünf Stunden Hausaufgaben pro Tag. Aber nachdem der Behördenmarathon wegen des Visums nun endlich beendet ist haben wir genügend Zeit dazu und dann ist es in drei Wochen hoffentlich mit der schrecklichen Situation sich auf der Straße nur notdürftig verständigen zu können vorbei.
Wer sich bis hierhin durchgelesen hat erfährt jetzt auch noch, dass das Wetter hier wirklich sehr schön ist und es von Tag zu Tag heißer zu werden scheint, aber es geht ja auch auf den Sommer zu. Die Nächte sind gar nicht so kalt wie erwartet, auch wenn sich die Sonne hier bereits zwischen sechs und halb sieben verabschiedet ein gewisses Urlaubsfeeling lässt sich unter diesen Bedingungen nicht vermeiden.
Mehr gibt es momentan nicht zu berichten, ich werde euch aber natürlich auf dem Laufenden halten was sich hier so tut und wohin es mich nach den nächsten drei Wochen verschlagen wird. Bis dahin lasst es euch gut gehen. Ich vermisse euch, euer
Untch
Sucre von oben.
kleiner mann ich vermisse dich :( aber wie ich sehe hast du total viel spaß und das ist das wichtigste!!
AntwortenLöschen<333
timo
Ich musste bei der Fussballgeschichte so lachen :)
AntwortenLöschenViel Spaß da und schreib fleißig weiter!
Nico
... unser Fußballdiplomat!!
AntwortenLöschenSehr schöner Bericht, Daniel. ;-)
AntwortenLöschenViel Spaß weiterhin m fernen Südamerika.
Viele Grüße
Patrick
Wir wollen Bilder mit den kurzen Haaren :D
AntwortenLöschenIch wünsche dir noch viel Spaß!
Schön von dir zu hören weiter so! Mein persönlicher "Chico grande"
AntwortenLöschenGruß Flo
Das hört sich ja echt cool an :) Und: Ich warte auch auf ein Foto von dir mit kurzen Haaren! Oder warte noch, bist du einen richtigen Revolutions-Bart hast!
AntwortenLöschenServus,
AntwortenLöschenhört sich ja echt top an soweit.Das mit dem Bus ist ne feine sache wenn ich da an andere busfahrten in australien denke :P
Das Bild mit den kurzen Haaren will ich auch unbedingt sehen!
Irgendwie finde ich dich bei skype nicht. Kannst mich ja adden wenn du das leist. Boghahn ist der nick.
Schöne Grüße auch von meinen Eltern.
sooo haben jetzt auch endlich deinen Bericht gelesen! Hört sich alles wirklich total spannend an !Ich hoffe dir gefällt es weiterhin so gut dort!
AntwortenLöschenLiebe Grüße Carina
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