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Montag, 11. Oktober 2010

Fegen, Fußball und Freibier im Deutschen Konsulat

Nachdem mich bereits einige ungeduldige Fragen nach dem nächsten Bericht erreicht haben melde ich mich mal wieder aus meinem bolivianischen Exil, denn es ist auch so einiges passiert. Zunächst einmal die neuesten Fußballberichte. Nachdem wir das letzte Heimspiel ordentlich aufgemischt hatten wollten wir beim nächsten Mal gegen die reichen Bonzen von Oriente Petrolero Santa Cruz natürlich noch einen draufsetzen. Einen Tag vor dem Spiel zogen wir also in die Stadt um unsere kleine Einkaufsliste abzuarbeiten: Banner, Farbe, Gesichtsfarbe, Tickets und natürlich jede Menge Feuerwerkskörper. Bis auf die Gesichtsfarbe war alles problemlos zu bekommen. Unser wiederholtes Nachfragen im Böllerladen ob man damit auch wirklich ins Stadion dürfe schien die Verkäuferinnen etwas zu irritieren, aber sie versicherten uns, dass uns niemand daran hindern würde damit ins Stadion zu kommen, und sie sollten recht behalten (es hat die Polizisten nicht mal interessiert als ein Böller einen halben Meter neben ihnen hochging). Aus der Fassung gerieten sie lediglich als Lukas sich vor ihrem Laden voller Feuerwerk eine Zigarette anzündete, das hatten sie aus irgendwelchen Gründen gar nicht so gern ;). Nachdem dann im Hostel noch unser Banner gestaltet wurde stand dem Spiel nichts mehr im Wege und die Gringos Locos legten in der Curva Sur einen grandiosen Auftritt hin. Wir hängten unser Plakat auf und halfen eifrig die großen Banner der Universitario-Fans zu halten und auch unser Feuerwerk machte ordentlich Eindruck. Genau richtig zum 1:0 zündeten wir dann roten und blauen Rauch, ein perfekter Auftritt. Während des Spiels lernten wir noch einige Fangesänge und gaben natürlich auch den einen oder anderen Schlachtruf zum Besten die uns mal wieder einige Schulterklopfer und staunende Gesichter bescherten. Das Spiel ging trotz unserer Performance leider 1:2 verloren was dazu führte, dass die Schiedsrichter unter Polizeischutz vom Feld gehen mussten. Auch das Spiel gestern gegen Bluming Santa Cruz ging leider mit neun Mann 0:1 verloren was mal wieder dazu führte, wer hätte das gedacht, dass die Schiris den einen oder anderen Polizisten an ihrer Seite benötigten. Mal sehen wie das Heimspiel am Donnerstag ausgeht, da geht es in der Copa Sudamerica gegen Santos aus Brasilien (bin schon gespannt was Everthon noch so drauf hat).
Letzte Woche waren wir im deutschen Konsulat in Sucre, wohin das deutsch-bolivianische Kulturzentrum zum Anlass des Tags der Deutschen Einheit einlud. Wir kamen (glücklicherweise) etwas zu spät, wodurch wir den offiziellen Teil nicht ganz mitbekamen, dieser bestand aber lediglich aus Reden auf Spanisch von Leuten die es nicht gebacken bekommen haben ins Mikrofon zu sprechen. Danach war dann Hora Felizes angesagt, d.h. Freibier, Freiwein, Freiwhisky und auch endlich was zu essen. Unser Hunger und somit unser Andrang auf das Essen waren so groß, dass uns eine strenge Dame um „un poco más de educacion“ bat.
Was das Essen angeht so gibt es mittlerweile eines was ich nicht mehr sehen kann: Hamburguesas. An jeder Straßenecke und zu jeder Tageszeit werden die Dinger verkauft, man hat das Gefühl die Bolivianer ernähren sich von nichts Anderem. Hinzu kommt noch, dass wir in der letzten Woche mehr als einmal auf die Idee gekommen sind uns selbst welche zu machen, weil es günstig und einfach ist und wir alle faul. Gar nicht so günstig, für bolivianische Verhältnisse natürlich, sind die Fleischlappen die wir uns die letzten zwei Wochenenden gegönnt haben. Ein Riesenstück „Lomo“ für umgerechnet 7€, das beste Fleisch was ich in meinem Leben gegessen habe und dazu jede Menge Beilagen die man bei der Fleischmenge gar nicht essen kann, einfach der Hammer. Essen kriegt man hier übrigens überall angeboten. Letzte Woche standen Flo und ich im Hostel in der Küche und auf einmal ruft ein Mann von der anderen Straßenseite irgendetwas rüber. In der Hand hielt er einen riesigen, undefinierbaren Klumpen und im Endeffekt kam raus, dass er versucht hat uns eine riesige Kartoffel zu verkaufen, wobei wir in der wahrscheinlich bestausgerüsteten Küche von ganz Sucre standen.
Vorletztes Wochenende haben wir mal so ganz nebenbei wieder eine außerordentliche Gruppendynamik bewiesen und wirkten unserem Ruf als laute, asoziale Jungsgruppe entgegen indem wir unseren ganzen Aufenthaltsbereich im Hostel saubergemacht haben. Das volle Programm mit Ofen vorziehen, wischen, fegen und so weiter. Nur blöd, dass wir halt wirklich irgendwie laut und asozial sind, oder extrovertiert und emotional wie wir es nennen und es zwei Tage später aussah wie vorher.
Letztes Wochenende war leider das Letzte das unsere Sprachkursgruppe zusammen in Sucre verbracht hat und das wollten wir natürlich noch mal ordentlich feiern. Also ging es nach Lomo-Essen und vortrinken im Hostel zu zehnt los. Schließlich fanden wir einen Taxifahrer der uns für umgerechnet zwei Euro allesamt mitnahm. Mit Fahrer und seiner Frau waren wir also zwölf Leute in einem Taxi, definitiv nicht die uncoolste Art vorm Club vorzufahren ;). In dem Club in den wir seit drei Wochen gehen entdeckten wir einen neuen Raum wo lauter Touristen, Freiwillige und sonstige Ausländer waren und wo man zu „Disco-Pogo“ auf der Bar tanzen konnte. Nicht mal in Sucre kann man feiern gehen ohne gleich zwei Mädels zu treffen die Egelsbach kennen, ist halt einfach ein berühmtes Örtchen. Zurück ging es dann wieder im Taxi wieder zu zehnt. Diesmal klappte es allerdings erst im zweiten Versuch, da uns der erste Taxifahrer wieder rausschmeißen musste, weil der Radkasten auf dem Reifen aufgesetzt hat. Am nächsten Tag waren wir leider alle zu platt und mussten das Oktoberfest in unserer Stammbar sausen lassen.
Mittlerweile ist es hier in Sucre etwas einsam geworden, denn bis auf Benny ist aus der ursprünglichen Gruppe keiner mehr hier. Der Spanischkurs ging am Freitag mit dem Abschlusstest zu Ende und dann hieß es am Wochenende Abschied nehmen, bis spätestens Weihnachten, denn die anderen mussten los in ihre Einsatzorte, nur Benny ist noch eine Woche hier weil er in sein Projekt eingeführt wird. Aber ein Viererzimmer für zwei in dem es mit einem Mal ordentlich ist und auch bleibt hat auch etwas für sich.
Warum ich noch hier bin? Ich werde noch vier Wochen in Sucre bleiben weil ich mich entschlossen habe das „Dele-Zertifikat“ zu machen, das ist ein Sprachzertifikat für Spanisch und deshalb habe ich in den nächsten vier Wochen noch einen Intensivkurs mit Einzelunterricht hier in Sucre. Das heißt jeden Tag 2, 5 Stunden Unterricht und heute waren es locker drei Stunden für die Hausaufgaben, und das ist erst der Anfang meinte meine Lehrerin. Ich hoffe allerdings, dass ich trotzdem noch Zeit finden werde auch in diesen vier Wochen schon ein bisschen in sozialen Projekten zu arbeiten. Arturo (mein Chef) hat mir versprochen in den nächsten Tagen mit mir in ein Projekt zu gehen in dem ich arbeiten kann, ich hoffe das klappt alles. Ich merke aber schon, dass es mit dem Spanischen gut vorangeht und ich mich auf der Straße mit jedem Tag besser verständigen kann.
Zum Abschluss noch der aktuelle Wetterbericht. Es hat mittlerweile tatsächlich zweimal geregnet. Beim ersten Mal hatten wir schwere Verluste zu beklagen, da uns der Regen in der Nacht überraschte und Polstermöbel und KICKERTISCH  noch draußen standen. An den Tagen nach dem Regen war es auch jedes Mal ziemlich kalt, spätestens zwei Tage später war auf die Sonne allerdings wieder Verlass 
Soweit von mir. Ich hoffe euch geht’s allen gut und ihr macht keinen Mist ohne mich ;). Ich vermisse euch, bis bald, euer
untch

2 Kommentare:

  1. Ich beneide dich so krass um deine Erlebnisse :) Aber großer Mut und Entbehrung muss eben belohnt werden! Komm heil zurück ;)

    Nico

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  2. du wirst doch noch wohlmöglich besser Spanisch können als ich wenn du zurückkommst?! Krass eh..gute 5 Stunden Spanisch am tag lernen...nich shclecht =)
    Das klingt alles voll aufregend! so ganz anders als bei mir...ich denk immer da könnte ich jetzt auch sein^^
    Naja wir sind zu fünft in nem Taxi für 4 Leute bei ner Hausparty in New York vorgefahren..fast so cool wie mit 10 Leuten :P aber zahlen mussten wir mehr^^
    Viiiiel Spaß und lern fleißig :D

    Ellen

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