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Samstag, 13. November 2010

Endlich Arbeit

Noch nicht mal eine Woche auf der Insel und schon gibt es wieder etwas von mir zu hören, aber wenn man schon mal einen Internetfähigen Computer vor sich hat muss das natürlich ausgenutzt werden.
Letzten Sonntag ging es also in aller Frühe los von La Paz mit dem absoluten Touristenbus nach Copacabana. Neben mir hatte ich einen netten, verkaterten Engländer sitzen, dessen Alkoholfahne mich zwang ständig nach rechts aus dem Fenster zu sehen, aber es gab ja genug zu sehen. Sobald der Titicacasee in Sicht war vermutete ich hinter jeder noch so kleinen Insel meine Heimat für die nächsten Wochen, allerdings mussten wir zunächst mitsamt Bus mit einem Motorboot übersetzen um einige Kilometer zu sparen bevor wir schließlich in Copacabana ankamen. Hier sollte ich nach Nelson, dem Hostelvater und meinem momentanen Chef Ausschau halten. Die Beschreibung die ich bekommen hatte: Etwa 1,70m groß, dunkle Haut, jung trifft glücklicherweise nur etwa auf jeden zweiten Bolivianer zu, aber nach einem Telefonat und ein wenig Warten hatte ich Nelson, seine Verlobte Sol und ihre kleine Tochter Cielo schließlich gefunden. Dann ging es mit dem Boot über den See auf die Insel. Schon auf dem Boot lernte ich den Direktor der Schule und einige andere Lehrer kennen und verbrannte mir zudem ordentlich die Nase. Kaum angekommen galt es dann auch schon kräftig mit anzupacken und die Vorräte vom Boot zu laden, welche die Inselbewohner in Copacabana gekauft hatten. Keine leichte Aufgabe auf knapp 4000 m. Nachdem ich mein Einzelzimmer mit eigenem Bad (Luxus!!!) bezogen hatte gab es Abendessen, dann ging die Sonne unter und kurz danach lagen wir auch schon in unseren Betten. Wir, das sind Jonas und Benny, ebenfalls Zivilersatzdienstleistende, außerdem Martin und Miriam die am Weltwärts-Programm teilnehmen und somit das gesamte Jahr auf der Insel verbringen werden. Am nächsten Tag ging ich mit den anderen in die Schule um endlich meinen ersten Arbeitstag anzutreten. Hier stand erstmal der „Salud de la Semana“ auf dem Programm. Das heißt, Flagge hissen, National- und Schulhymne singen und noch ein paar weisen Worten eines Lehrers lauschen. Danach gab es so etwas wie einen Ältestenrat bei dem ich mich zunächst vorstellen musste. Nelson begleitete mich und so saßen wir geschlagene dreieinhalb Stunden in der prallen Sonne (diesmal mit Kappe), tranken Cola, kauten Coca und ich verstand kein Wort weil Lehrer, Bürgermeister und sonstige Dorfälteste die ganze Zeit auf Aymara, der Sprache der hiesigen Indigenen geredet haben. Nur als das Wort „Voluntario“ fiel wachte ich kurz auf, stellte mich vor und wurde herzlich willkommen geheißen. Damit war der erste Schultag auch schon vorbei. Die restliche Woche habe ich Jonas und Benny in ihren Sport-, Mathe- und Englischklassen unterstützt und habe von Benny auch eine eigene Englischklasse übernommen. Besonders die kleinen Kinder sind zwar ziemlich anstrengend, aber die Arbeit macht Spaß und es ist ein gutes Gefühl endlich zu tun weswegen ich hergekommen bin.
Dienstag gab es allerdings schon wieder eine Ausnahme vom normalen Schulalltag, denn einige hohe Beamte und einige Vertreter des Militärs wurden erwartet um jedem Schüler der Grundschule 200 Bolivianos (etwa 20 €) zu übergeben. Dies ist eine Maßnahme der Regierung die vor allem dazu gedacht ist den Kindern zu ermöglichen möglichst lange zur Schule zu gehen. Die Summe klingt natürlich zunächst lächerlich, 200 Bolivianos sind allerdings besonders hier auf der Insel eine Menge Geld. Die Beamten kamen für bolivianische Verhältnisse pünktlich und dann hieß es ein zweites Mal Fahne hissen, Nationalhymne singen, etc. Nur das Militär ließ ein wenig auf sich warten und traf erst am Nachmittag ein. So lange mussten die Schüler warten. Als wir abends noch einmal in der Schule vorbeischauten waren keine Schüler mehr da, nur noch Lehrer, Beamte und Militärs. Unerwartet wurde es noch ein feucht-fröhlicher Abend und am nächsten Morgen waren die meisten Lehrer wie erwartet nicht in der Lage pünktlich zu ihrem Unterricht anzutreten. Dass Bolivianer Alkohol nicht allzu gut vertragen ist Fakt. Deshalb wurde vom einzigen fitten Lehrer ein weiterer „Salud de la Semana“ abgehalten um für seine Kollegen ein wenig Zeit zu schinden.
Am nächsten Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass das Marineboot in der benachbarten Bucht gesunken sei. Hierbei kam uns die Szene in Erinnerung wie das Boot vor unserem Steg auf Bennys und Jonas „Pool“ aufgesetzt ist, den sie aus Steinen dort gebaut haben um wenigstens einen Teil des Sees auf eine angenehme Temperatur bringen zu können. Unsere Überlegungen Verteidigungsminister Guttenberg über unsere geglückte Mission die halbe bolivianische Flotte zu zerstören zu informieren verwarfen wir dann allerdings doch wieder. Wie sich am nächsten Tag herausstellte war das Boot nicht gesunken, hatte aber ein ordentliches Loch und Wasser im Maschinenraum und die älteren Schüler mussten antreten um das Boot ins Wasser zu schieben. Daraus wurde dann allerdings doch nichts und Schüler und Lehrer marschierten unverrichteter Dinge zurück in die Schule.
Freitag fand gar kein Unterricht statt, da die Lehrerschaft sich bereits Donnerstagmittag auf den Weg nach La Paz machte, da die meisten mit ihren Familien dort wohnen und lediglich zum Arbeiten auf die Isla kommen. Dass die Lehrer dann mal ein verlängertes Wochenende einlegen ist hier anscheinend keine Ausnahme. Aber so konnten wir gestern wenigstens ausschlafen. Das heißt man kann noch ein wenig liegen bleiben wenn das Zimmer ab sieben Uhr so hell ist, dass an Schlafen nicht mehr zu denken ist. Den Rest des Tages haben wir dazu genutzt einen Ausflug zu den alten Inka-Ruinen im Norden der Insel zu machen, wobei ich mir die Ohren verbrannt habe, darüber berichte ich aber nächste Woche.
Macht’s gut. Viele Grüße.
Euer untch

3 Kommentare:

  1. Beste Leben <3 Nicht zuviel Coca naschen, sonst wirst du abhängig und das Zeug ist hier viel zu teuer!
    Nico

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  2. hach wie toll das klingt :)
    und ich überleg die ganze Zeit, dass ich da jetzt auch sein könnte...ich hätte aber gar keine Ahnung, wie ich so einen Unterricht gestalten sollte...und auch noch auf Spanisch Oo
    Daumen hoch!! :D

    Toodles,
    Ellen

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  3. An welchem Tag war jetzt nochmal Unterricht? :P

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